Persönliche Krisenvorsorge: Fluchtbereit? Ja! Auswandern? Naja …

swiss-army-knife-572667_1280Ist die Lage schon so kritisch, dass der Dampfer Deutschland in Schuldendienst und Flüchtlingsströmen zu versinken droht? Eindeutig ja, zumindest wenn man den überall zu lesenden Paniküberschriften wie „DEUTSCHLAND VERSINKT IM DRECK“ glauben darf. Da kommt mancher womöglich schon auf den Gedanken, dass man diese untergehende Titanic wohl möglichst schnell verlassen sollte. An Rettungsboot-Auswahl mangelt es dann auch nicht, schließlich gibt es hinter der deutschen Grenze so manches verlockende Land. Vor allem schön warme Tropendestintionen wie Mittel- und Südamerika werden immer wieder als besonders verlockend gepriesen.

Wenn Sie öfter mal in der alternativen Blogosphäre unterwegs sind, kennen Sie bestimmt die Anzeige, die Ihnen auf der Finca Bayano in Panama eine perfekte „Bug-Out-Location“ anpreist. Während hier die Zustände immer unhaltbarer werden und Unrecht zu Recht umgemünzt wird, ist man im fernen Tropenparadies all dieser Sorgen ledig. Soweit zumindest die Werbebotschaft. Doch das sollte mindestens zwei Fragen aufwerfen:

Erstens: Gehen die Einschränkungen und Verluste in Sachen Freiheit und Finanzen, die wir hierzulande werden hinnehmen müssen, nicht von einem Niveau aus, das der Bevölkerungsdurchschnitt in all den fernen tropischen und nichttropischen Auswanderparadiesen überhaupt nie erreicht hat?

Zweitens: Wer behauptet, dass das Sinken dieses zivilisatorischen Niveaus, Lebensqualitätsniveaus oder wie auch immer Sie es nennen möchten, in den Zielländern nicht ebenso stattfindet wie hierzulande? Und wer garantiert, dass dieser Sinkflug nicht sogar noch schneller stattfindet als hier? Richtig, niemand.

Allein dieser Gedanke sollte einem beim Kofferpacken schon innehalten lassen. Und das ist erst der Anfang, es kommt wirklich eine Menge weiterer Überlegungen hinzu, die die schönen Reiseträume ziemlich alt aussehen lassen. Wenn Sie weiter dem Fernweh fröhnen wollen, lesen Sie auf gar keinen Fall die gnadenlose Analyse des Post-Collapse-Blogs zu diesem Thema. Diese beginnt mit allgemeinen Überlegungen, die zwar nahe liegen, aber dennoch meist nicht beachtet werden.

So beispielsweise die völlig offensichtliche und berechtigte Frage, warum Mitteleuropäer einer (vermeintlich) drohenden materiellen Verarmung in Länder entfliehen wollen, in denen diese Armut nicht weniger sondern weitaus mehr verbreitet ist und die Menschen seit Jahrzehnten oder noch länger daran gewohnt sind, unter sehr schwierigen Umständen zu (über)leben. Das ist oft selbst dann zum Scheitern verurteilt, wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist und sich als „verweichlichter“ Europäer eine Scheibe von den Kenntnissen und Fähigkeiten der Überlebenskünstler abschneiden will. Denn ihre „Kunst“ haben diese Menschen meist unfreiwillig aus nackter Not von Geburt an erlernt. Ein solcher Zugang ist ein völlig anderer als der des Wohlstands-Survivalisten, der in seiner Freizeit Bücher und Websites studiert und Seminare bucht.

Da die meisten Länder dieser Welt im Vergleich zu Deutschland sowohl in Sachen Finanzen als auch in Sachen (Bewegungs)Freiheit eher schlechter als besser aufgestellt sind, stellt sich die Frage, wohin man überhaupt gehen könnte. Vielleicht in andere westliche Wohlstandsländer? Diese Idee hatten schon einige:

Es gibt Deutsche die ernsthaft nach England ausgewandert sind als sie sahen, wie in Deutschland mit der Hartz Gesetzgebung sich ein Kollaps der Sozialsysteme anfing abzuzeichnen, nur um dann festzustellen, dass England in noch einer viel schlechteren Situation ist. Genauso wenig kann man vor Armut in Westeuropa in Teile der Welt flüchten, in denen Armut kein Problem, sondern der dauerhafte und normale Zustand ist.

Weder ärmere Länder noch andere Wohlstandsnationen bieten eine einfache Alternative zum „Ausharren daheim“ an. Im folgenden Newsletter werden wir darauf noch näher eingehen.

Ist das nun ein generelles Plädoyer gegen das Auswandern? Mitnichten, wenn Sie gute Gründe haben, wie z.B. dass Sie das Land sehr gut kennen, Kontakte und Einkommensmöglichkeiten haben und sich einfach unsterblich in die Mentalität seiner freundlichen Leute verliebt haben, dann nichts wie hin. Sie brauchen also eine starke „Hin-zu-Motivation“. Wenn Sie lediglich eine „Weg-von-Motivation“ haben, dann ist höchste Vorsicht angebracht. Dann denken Sie lieber zweimal darüber nach, ob Sie nicht besser die Umstände hier und jetzt verbessern könnten, statt in die nur halb durchdachte Ferne zu schweifen.

Video: Mehrteilige Serie, nach „Oma will nach Thailand“, „Oma bleibt in Thailand“ nun also „Oma lebt in Thailand“

Fluchtbereit? Ja! Auswandern? Naja … (Teil 2)

Viele sind zur Zeit der Meinung, dass es in diesem Land bald ziemlich ungemütlich wird. Das mag stimmen, doch daraus abzuleiten, dass im nahen oder fernen Ausland alles besser aussieht, ist ein häufig und leider voreilig gezogener Trugschluss. Auswandern ist zwar nicht immer die falsche Idee, doch meistens ist es im Vergleich zum „Ausharren daheim“ die schlechtere Alternative. Und das gilt nicht nur für ärmere Länder, sondern auch für andere Wohlstandsnationen. Im folgenden klären wir, warum.

Fangen wir zunächst mit den ärmeren Ländern an, denn hier liegen die Argumente gegen das Auswandern offensichtlicher auf der Hand. Der im vorigen Newsletter schon zitierte Postcollapse-Blog hat das am Beispiel Panama sehr gut gezeigt, vor allem weil der Autor bereits selbst vor Ort war. Zur Sprache kommen natürlich zuerst die nicht eben geringen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und eine an nicht gerade günstige Umstände der Umgebung angepasste Mentalität der Bevölkerungsmehrheit. Allerdings ist Panama wohl auch innerhalb der sogenannten Dritten Welt ein hervorstechendes Beispiel in negativer Hinsicht. Doch gerade deshalb ist es umso erstaunlicher, dass ausgerechnet dort eine sichere Bug-Out-Location so prominent und verbreitet angepriesen wird.

In Panama bestehen einige charakteristische Probleme, die sich in ähnlicher Form in ganz Lateinamerika wiederfinden: so gibt es einen hohen Anteil an sehr jungen Menschen, die über kurz oder lang in einen Arbeitsmarkt drängen, der ihnen weder in Sachen Größe noch in Sachen Perspektive und Chancen gerecht werden kann. Hohes Frustrations- und damit auch Konfliktpotential ist in vielen Fällen vorprogrammiert. Dazu der Postcollapse-Blog:

Wenn diese durchaus gebildeten jungen Menschen in nicht wirklich vorhandenen Wirtschaft keinen Platz bekommen, dann steigt das Konfliktpotential im Land. Das kann sich auf kriminelle Gangs beschränken, doch Leute die sich für schlauer halten als ihre Eltern drängen für gewöhnlich in politische Bewegungen, …

Oder auch in religiöse Bewegungen, was in anderen Regionen der Welt mehr Anklang findet. Egal ob politisch oder religiös, entscheidend für das Klima im Land ist, dass sich die vertretenen Ideologien leider eher selten durch Menschenfreundlichkeit auszeichnen.

Hinzu kommen die Errungenschaften der Globalisierung: „Die meisten Lebensmittel sind importiert, regionale Produkte wird man im Supermarkt nicht finden, obwohl der Agrarsektor der größte Wirtschaftszweig ist. Die meisten Einheimischen sind durch die westliche Ernährung zu fett und über 200.000 von ihnen haben Diabetes.

Hinzu kommt eine ganze Reihe an Ungereimtheiten, die sich auf das Finca-Bayano Projekt selbst beziehen. Alles in allem lässt der Postcollapse.blog an der Panama-Idee kein gutes Haar:

Ihr findet den .gif Werbebanner für Finca Bayano auf jedem Krisenportal und auf jedem schlechten Blog, der beim Thema Krisenvorsorge extrem faul und eher in einem pseudo-ideologischen Netzwerk verankert ist, bei dem es viel mehr um Panikmache geht mit der falsche und contraproduktive Alternativen vertrieben werden sollen, anstatt Menschen wirklich zu verbessern und für schlechte Zeiten vorzubereiten.

Damit wäre wohl geklärt, dass wirtschaftliche schwächere Länder und die entsprechenden Angebote mit höchster Vorsicht zu genießen sind. Eine Menge weiterer Tipps finden Sie in diesem Reader, der von „Anonymous“ verfasst wurde und trotzdem – oder gerade deshalb – sehr praxisnah ist.


Wie sieht es in den wohlhabenden „Zielländern“ aus, wo sich ja vor allem Kanada als „Top-Adresse“ etabliert zu haben scheint. Hier warten zwar selbst in Krisenzeiten scheinbar keine existenzbedrohenden wirtschaftlichen Unregelmäßigkeiten oder gar anarchische Zustände auf Einwanderer, doch dafür jede Menge anderer Hürden. Dazu gehören nicht nur der viel schwierigere Zugang zum Arbeitsmarkt (der eine große Rolle spielt, sofern Sie nicht gleich entgegen jeder Wahrscheinlichkeit eine völlig autarke Bleibe in der neuen Heimat gefunden haben), sondern auch der allgemein verschärfte Wettbewerb um sämtliche Ressourcen. Hier stehen Sie nicht nur mit Einheimischen in Konkurrenz, sondern auch mit zahlreichen anderen Ausreisewilligen aus aller Herren Länder.

Neben den Schwierigkeiten auf Wohnungs- und Arbeitsmarkt werden auch die weltweit wachsenden Migrationsströme selbst für zunehmenden Gegenwind sorgen. Denn ähnlich wie hierzulande ist auch anderswo ein Anwachsen der Fremdenfeindlichkeit zu erwarten, bzw. eine wachsende Spaltung der Gastbevölkerung in freundlich-aufgeschlossene und verschärft feindselige Lager. Letztere bringen ihre feindliche Haltung nicht mehr „nur“ bei dunkelhäutigen, „exotischen“ Ausländern, sondern bei jeder Art von „Invasoren“ zum Ausdruck.

Ein weiterer Punkt, der nicht selten völlig unterschlagen wird, ist die nur scheinbar nebensächliche Tatsache, dass in Ländern wie Kanada, Norwegen, Schweden oder Großbritannien in sprichwörtlicher Hinsicht ein rauerer Wind weht. Dabei kommt es auf die rein physischen Lebensbedingungen wie eben das Klima in letzter Konsequenz durchaus an. Wenn es wirklich zum Zusammenbruch der Infrastruktur im globalen Maßstab kommt, wo würden Sie den Winter draußen eher überstehen: in der deutschen Wald-, Wiesen- und Ackerflur oder in der kanadischen Taiga?

Alles in allem sind die „Zugangsvoraussetzungen“ für das wohlhabende Ausland so hoch, dass Sie, sobald Sie sie alle erfüllen, sowieso auch in Ihrem Heimatland schon gut genug aufgestellt sind, um alle Krisenszenarien zu überstehen. Und nicht nur gut genug, sondern wahrscheinlich auch besser als in Ihrem erträumten Ausreiseland.

Was folgt aus diesen und vielen weiteren zu bedenkenden Einschränkungen? Im Grunde nur ein einziger simpler aber sinnvoller und effektiver Gedanke: bei allem Druck der womöglich unerfreulichen Realität, vor der man am liebsten flüchten will, sollte man einen sehr genauen Blick auf die Realität werfen, die einen in noch so verführerischen potentiellen „Gastgeberländern“ erwartet.

Quelle: Pravda-tv

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