Arm und Reich: Einkommen in Deutschland immer ungleicher verteilt – Studie

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Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in Deutschland laut einer Stichprobe des Bundessozialministeriums immer breiter. Mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens konzentriert sich demnach auf zehn Prozent der Haushalte. In der Tat sei die Vermögensverteilung in Deutschland noch schlechter, sagt Arbeitsexperte Prof. Dr. Gerhard Bosch.

„Die Richtung der Studie ist schon korrekt, manche Antworten jedoch nicht, besonders die von Superreichen“, meint Prof. Dr. Gerhard Bosch, Geschäftsführender Direktor am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, gegenüber Sputniknews. Es gebe andere Untersuchungen, die über Zusatzerhebungen etwa die Forbes-Liste der Milliardäre in Deutschland noch die großen Einkommen hinzuziehen, dann sehe die Vermögensverteilung in Deutschland noch schlechter aus: „Danach besitzen die obersten zehn Prozent der Haushalte zwischen 63 und 74 Prozent des Vermögens in Deutschland.“

„Die Einkommensverteilung habe sich in Deutschland seit 1995 dramatisch verschlechtert: Immer weniger Beschäftige werden nach Tarif bezahlt, vor allem im Dienstleistungssektor, während auf der anderen Seite die hohen Einkommen drastisch zugenommen haben“, sagt Professor Bosch.

Wenn es ein hohes Wirtschaftswachstum gebe und die Reichen immer reicher und alle anderen auch wohlhabender werden, dann sei die Bevölkerung in vielen Ländern auch bereit, Ungleichheit zu akzeptieren. „Die heutige Ungleichheit ist deswegen inakzeptabel geworden, weil Teile der Weltbevölkerung ärmer geworden, während gleichzeitig die reichsten Leute immer mehr von dem Kuchen abschneiden. Diese ungleiche Entwicklung ist das zentrale Problem“, meint Bosch.

Dr. Christoph Lütge, Professor für Wirtschaftsethik an der TU München, dagegen meint im Interview für Sputniknews, die Verhältnisse in Deutschland seien gegenüber vielen anderen Staaten noch relativ gleich. Die Stichprobe lasse sich damit erklären, dass höhere Einkommen insgesamt höher geworden seien, z.B. die Gehälter der Vorstandschefs. Eine ungleiche Einkommensverteilung halte Lütge grundsätzlich nicht für etwas an sich Schlechtes: „Es kann auch so sein, dass die hohen Einkommen sehr viel zur insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung beitragen, von der auch die schwächeren profitieren. Im Moment würde ich keine Maßnahmen befürworten, die eine weitere Nivellierung zur Folge haben.“

Derzeit solle sich der Staat vor allem auf die Flüchtlingskrise konzentrieren: „Wenn man weiterhin Flüchtlinge in dieser Höhe hineinlässt, dann muss man etwas an der Mindestlohngesetzgebung ändern. Da muss Flexibilität her, sonst werden wir einen hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit haben.“

„Deutschland kann besseres Leben nicht allen auf der Welt bieten“

Die Bundeskanzlerin habe es sicherlich gut gemeint mit der humanitären Aussage, dass wir diesen Menschen helfen müssen, so der Experte. Aber sie habe nicht ausreichend bedacht, welche Signale sie damit aussende. „Deutschland kann eine bessere Lebensperspektive nicht allen auf dieser Welt bieten, so viele Kapazitäten hat Deutschland nicht. Es muss in nächster Zeit ein Umdenken stattfinden. Insofern war es in der Tat ein Fehler, Grenzen aufzumachen, denn letztlich kann eine Überforderung auch nicht ethisch sein“, so Lütge. Er halte daher eine Obergrenze für notwendig: „Dann erst können wir uns über eine vernünftige gesteuerte Einwanderung Gedanken machen. Mit der derzeitigen unkontrollierten Eidwanderung ruinieren wir uns selbst und die Anderen auch.“

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