US-Städte zahlen Kriminellen $ 1000

disgrace-230907_1920Und diese Nation maßt sich an, weltweit Recht und Freiheit zu schützen: Wegen der vielen Morde  bezahlen US-Städte Kriminelle nun dafür, dass sie nicht töten.

Ist das die Kapitulation des Rechts in den USA? Der 21 Jahre alte Ronnie Holmes saß in einem fahrenden Auto, aus dem heraus tödliche Schüsse abgegeben wurden. Als die Polizei ihn festnahm, trug er eine durchgeladene Waffe bei sich. An seinen Absichten bestand also kein Zweifel.

Nachdem er seine Strafe abgesessen hatte, machten ihm Beamte seiner Heimatstadt Richmond ein ungewöhnliches Angebot: Sie zahlen ihm 1000 Dollar im Monat, damit er kein Verbrechen mehr mit einer Waffe begehe, berichtet die Washington Post[1]. Sprich: Er wird seither dafür entlohnt, nicht zu töten.

„Unkonventionelle Maßnahmen“

Holmes ist inzwischen längst nicht mehr  der einzige Kriminelle, der auf diese Weise in US-Städten zu Geld kommt. Nach Richmond übernahm auch der District Columbia (Washington) die umstrittene Praxis, danach schlossen sich weitere Städte an. Ziel ist es, die zumeist noch sehr jungen Kriminellen davon abzuhalten, sich in Situation zu begeben, in denen sie töten oder selbst erschossen werden könnten. Angeblich gibt es erste Hinweise auf sinkende Mordraten.

In Richmond hat die Stadt außerdem Dutzende Ex-Sträflinge als Mentoren für die gewaltbereitesten Nachwuchskriminellen angeheuert. Man sei bereit, „unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen, wenn es darum geht, den nächsten Mord zu verhindern“, schreibt die Washington Post. Und weiter:

„Zum Beispiel fahren die Mentoren betrunkene und streitlustige Jugendliche in ihren Autos nicht ins Gefängnis, sondern nach Hause, damit sie dort ihren Rausch ausschlafen können. Manchmal stecken ihre geladenen Waffen noch im Hosenbund.“

Die Städte finanzieren den Mentoren und ihren Schützlingen und rivalisierenden Bandenmitgliedern aber auch Reisen nach Südafrika, London oder Mexiko-Stadt in der Hoffnung, dass die dort gemachten Erfahrungen und die Zeit, die sie woanders als auf den gewalttätigen Straßen daheim verbracht haben, ihnen einen anderen Blick aufs Leben verschaffen. Die Beamten in den Stadtverwaltungen glauben auf diese Weise Spannungen abbauen und neue Verbindungen unter den Banden knüpfen zu können.

„Sogar wenn die aufwendigen Bemühungen scheitern, bezahlen die Stadtverwaltungen diejenigen auch weiterhin, die sich zur Besserung verpflichten. Das gilt auch für solche, die wie Holmes, mit einer Waffe erwischt werden oder schlimmer noch – des Mordes verdächtig sind.“

Kein valides Datenmaterial?

Für dieses Vorgehen brechen die Städte mit so einigen rechtlichen Grundsätzen. Zum Beispiel arbeiten die Mentoren nicht mit der Polizei zusammen. Wenn sie etwa von Verbrechen erfahren, informieren sie die Polizei darüber nicht.

Die Stadt bezahlte Mentoren in einem Abstand von der Polizei arbeiten. Um das Vertrauen der jungen Männer, halten sie zu führen, Mentoren nicht informieren die Polizei von dem, was sie wissen, über Verbrechen begangen hat. Mindestens zweimal sollen sie jungen Kriminellen sogar geholfen haben, sich dem Mordverdacht zu entziehen.

Doch es gibt auch Kritik. Anders als die Ratsversammlung des Districts Columbia, die das Richmond-Vorgehen auch auf Washington übertragen will, zweifelt Washingtons farbige Bürgermeisterin Muriel Elizabeth Bowser das Programm an. Es gehe keine unabhängige Analyse, kritisiert sie. Auch Polizeichefin Cathy L. Lanier vermisst valides Datenmaterial.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1490 Menschen ermordet. Die meisten Morde gab es in Chicago (294), Baltimore (215) und New York (208).[2]

Kann es einen deutlicheren Beweis für die gravierende Fehlentwicklung der amerikanischen Gesellschaft und damit jener Nation geben, die sich anmaßt, weltweit Recht und Freiheit zu schützen?

Quelle: Geolitico

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